Informelles Radio

Sonntag, 14.03.2010, 23:03 - 23:45 Uhr

Ein Projekt von StudentInnen der DIGITALEN KUNST unter der Leitung von Nicolaj Kirisits & Klaus Filip in Zusammenarbeit mit:

oe1 Kunstradio ---- kunstradio.at
fm4 die graue Lagune ---- fm4.orf.at
orange94.0 ---- o94.at

radio helsinki 92,6 (graz) ----- www.helsinki.at
radio freirad 105,9 (innsbruck) ---- www.freirad.at
FRS - Freies Radio Salzkammergut --- www.freiesradio.at
MiRa Campusradio 94,4 (st. pölten) ---- www.campusradio.at
Freies Radio B138 90,4 (krems) --- www.radio-b138.at
Radiofabrik 107,5(salzburg) --- www.radiofabrik.at

Die Straßenbahn wird zum Ausstellungsraum, dessen Bewegung als Verweis auf 12 zeitbasierte Arbeiten, die im Inneren von Studierenden der Abteilung Digitale Kunst aufgebaut sind, dient. Die Stationen bei denen das Publikum ein- und aussteigen kann, gliedern die Fahrt in zeitliche Abschnitte. Abgebildet wird diese performative Ausstellung durch 6 akustische Perspektiven, die live via Radio übertragen werden. Durch die Bewegungen von 6 Mikrophonen im Ausstellungsraum wird das Gehörte als Material für eine zeitbasierte Raum- Dekonstruktion in einer Radio-Mehrkanalinstallation erlebbar.
Im privaten Raum der RadiohörerInnen wird das Aufspannen einer multiperspektivischen Hörsituation gefordert.


Rezeptur:

Man nehme 3 Radios, am besten alle Stereo. Jedes Radio wird auf einen anderen Sender eingestellt:

  1. Ö1,

  2. fm4

  3. ein freies Radio: (orange94,0 in Wien, radio helsinki 92,6 in Graz, radio freirad 105,9 in Innsbruck, FRS freies radio im Salzkammergut, MiRa Campusradio 94,4 in St.Pölten, freies radio B138 90,4 in Krems und Radiofrabrik 107,5 in Salzburg)

Verteile die 3 Radios im Raum.

Mitfahren:
Der event passiert live in einer Strassenbahn:
Ausgangspunkt ist die Station Alserstrasse der Linie 43 (Richtung Schottentor) um 23 Uhr.
Weitere Stops zum Ein- und Aussteigen (Zeitangaben sehr ungefaehr):
Lange Gasse (43) 23:05
Schottentor (43) 23:10-23:13
Salztorbrücke (1) 23:18
Hintere Zollamtstr (1) 23:23
Ungargasse (O) 23:29
Süd Bhf. (D) 23:39-23:42
Schwarzenbergplatz 23: 48
(Rueckfahrt zu Bhf. Hernals)

Projekte:

Kathrin Stumreich // der faden

Viktoria Wöß // schaukel

JoaKnierzinger // toilettophone

mara bloom // monolog einer straßenbahnreisenden

hpl // elektrostimmen

johannes muik // mängel gegenstände hängen

daniel gyolcs // Radio#maT

mths // radio feedback

miriam mone // schienenlieder

conny zenk // ''###***++ ##+

karl salzmann // transport3

jan perschy // hot bin

conny zenk + mths // aufblasbar

Kathrin Stumreich // DER FADEN // www.kathrinstumreich.com

Die Spur legen, die Bewegung in Abhängigkeit und das Audiotracking einer fast unsichtbaren Materialität, die genausogut als Ausrede benutzt werden kann, um irgendetwas zu hören. Die Fadenführung legt eine räumliche Trennung und Geometrie fest, die vom Auditiven gesucht wird. Eine Fadenspule spult sich mit der Geschwindigkeit der Straßenbahn ab, und wickelt die Stadt ein. Die Mikrophone folgen der im Raum vorgelegten Spur des Fadens. Eine auf Mutmaßung basierende Vorstellung einer Akustizität wie sie durch Verschiebung der aneinandergrenzenden Materialitäten erwartet werden könnte. Parallele akustische Eigenphantastereien werden nicht ausgeschlossen.


Viktoria Wöß // schaukel

Eine quietschende Schaukel wird an einer Haltestange der Straßenbahn befestigt und der Schaukelnde durch die Beschleunigung und das Abbremsen des Fahrzeuges in Bewegung versetzt. An die Schaukelaufhängung wird ein Piezomikrofon geklebt und das Geräusch verstärkt.

joaknierzinger // toilettophone // joak.nospace.at

von toni polster bis peter weibel jede/r benuetzt es - das abwassernetz. es ist nicht nur interessant in seiner architektur, wo es uns an eine bus-tropologie erinnert, sondern vielmehr interessant ist es als kommunikationsmedium zu verwenden! deswegen siphon entleeren, verstaerker aufstellen und durchs netz mit den nachbarInnen reden

oder anders gesagt

duchamp zitat erweitert mit kommunikationsmedium weils dem "you" nur um den kontext geht.

Mara Bloom // monolog einer straßenbahnreisenden

schade, dass es keinen negativen ton gibt, den ich entgegensetzen könnte, keine deckende stille, die ich um mich malen könnte

also brauche ich wohl dieses gedankenschutzschild, diese gedankengebäude und landschaften, diese welten in meinem kopf, die nur mein sind. und mir gehorchen

um meine vollständigkeit zu wahren, um ganz zu bleiben.

die straßenbahn fährt weiter, vorbei an all dem was war. zu dem was kommen wird. auch wenn all dies da draußen ja schon längst nicht mehr vergangen sondern stetig ins Jetzt schlüpft.

es ist als würde die zeit die welt mit kaum sichtbaren lagen realität überziehn, die nur die sehen können, die schon so lange und aufmerksam diese strecke entlang fahren oder gehen oder stolpern. immer wieder und immer wieder. jeden tag liegt einer neue kaum merklich andere realität über der alten. die die alten niemals überdeckt und dennoch anders ist.

platz meinen blick auszustrecken und in die ferne reisen zu lassen. durch die straßenbahn hindurch, nach draußen hinaus, die straße entlang, durch die gassen hindurch, über die dächer hinweg, über die plätze, gärten, brachen, kreuzungsschlachtfelder, industrieverbrechen, betonwüsten und nacht.

endlich platz. platz meine gedanken darüber wachsen zu lassen.

wir städter verlieren immer wieder den bezug zur realität

Im Zentrum steht der Monolog eines Fahrgasts, der die Gelegenheit der Radioübertragung nutzt um Aspekte seines Alltags und damit des Lebens an sich im Lichte der Straßenbahn an die Öffentlichkeit zu tragen.

Der Text wird mittels eines alten Radios abgespielt. Die Autorin haltet schweigend das Abspielgerät. Nur ihre Augen sprechen.

Die Straßenumgebung, der selbstverantwortliche Alltag steht im Gegensatz zum bewegten geborgenen travelers space der Straßenbahn, in dem temporär die Verantwortung an den Zugführer übergeben wird. Der Schritt als Maß aller Dinge wird durch schwebende Zeitlosigkeit in Vergessenheit gedrängt.

HPL // elektrostimmen

Das Unerwünschte zum Erwünschten erheben und sich daran erfreuen.
Die technisch nicht gewollten Störfrequenzen der ULF Antriebseinheiten
werden eingefangen und in einer Mehrkanal Klanginstallation dem Publikum
zur Verfügung gestellt. Die Antriebe werden zum Instrument, gespielt durch die
Dynamik des Fahrantriebes sowie der Auswahl und Platzierung der Sensorik.

Johannes Muik // mängel gegenstände hängen // www.muiki.mur.at

"Maengel gegenstaende haengen" ist eine komposition fuer fuenf kuechenradios, welche an einer schnur befestigt sind und ueber den sitzen der strassenbahn haengen. Jeder dieser mit batterien betriebenen radios empfaengt ein fm signal auf unterschiedlichen frequenzen von einem jeweils dazugehoerigen selbstgebauten transmitter.

Durch die geringe reichweite und der minderen uebertragungsqualitaet der selbstgebauten transmitter, wird die komposition in ihrer wiedergabe beeinflusst. Unterstuetzt wird dies durch manuelles drehen der radios.

Daniel Gyolcs // Radio#maT


 

Wird es im Jahre 2030 noch Fahrscheinentwerter geben,
oder ist in naher Zukunft die Menschheit bereits digital
mit einem "öffentlichen Netzwerk" verbunden???
Gebrauchsanweisung:
Man nehme eine "Fahrkarte-informelles radio", gebe diese
in den Kartenslot, und der Radio#mat erzeugt aus einem Radio-
Signal und einer Software neue Sounds. Diese werden mittels Oszilloskop/Bildschirm visualisiert, und über einen Radiolautsprecher hörbar gemacht.


 

mths // radio feedback // mtks.tumblr.com/


Das gesendete Signal wird mit Mikrofonen vor einem Radio abgenommen
und das dabei entstehende Feedback mit einem Audio Mixer manipuliert.

miriam mone // schienenlieder

‘Wherever we are, what we hear is mostly noise. When we ignore it, it disturbs us. When we listen to it, we find it fascinating’ (John Cage, 1961, p.3).

"On one hand, many people have come to fear silence: even the supposed absence of sound is disturbing and needs to be suppressed under a carpet of sound. On the other hand, the omnipresence of music has markedly reduced our tolerance towards ‘other’ sounds, towards noise. Is another relationship with noise conceivable? As one of many composers, John Cage has sought to open our ears to ‘non-musical’ sounds in his compositions. According to Cage, the qualification of sounds as non-musical or noise is not so much related to intrinsic sound properties as it is to our attitude towards sounds that we do not instantly consider to be musical. When we pay attention to sounds that we usually prefer to ignore - the same attention we reserve for musical sounds - we might experience these sounds as far less disturbing. The more one realizes that the sounds in our environment are musical, the more music there is."

(marcel cobussen)

beim projekt "schienenlieder" handelt es sich um eine art "umgebungschor", der die geräusche in der strassenbahn aufgreift, immitiert - akzentuiert - ergänzt und interpretiert.

gemeinsam mit den teilnehmern, die bis auf ein, zwei ausnahmen nicht professionell mit ihrer stimme arbeiten, zum teil jedoch einen musikalischen background im bereich improvisation und neue musik aufweisen, wurde in ansätzen eine art vokabular und ein gewisses framework entwickelt, in dem auf die auditiven aspekte der strassenbahn reagiert wird. man kann also sagen, dass der tatsächliche dirigent die tramway selbst ist.

einerseits stellt es für die vokalisten eine direkte auseinandersetzung mit einer bestimmten umgebung dar, welche sich sowohl in der ausdifferenzierung der klanglichen ereignisse als auch in der erforschung von mustern und abläufen, schichtungen und variationen äussert. eine sensibilisierung findet statt, der hörsinn tritt in den vordergrund, alltägliche situationen eröffnen sich den mitwirkenden in neuen facetten. normierte verhaltensweisen werden abgelegt und die schultern werden locker, nach der ersten überwindung in der öffentlichkeit der strassenbahn zu singen, krächzen und zu poltern, liegt die annahme nahe, dass das leben viel zu kurz ist, um ängstlich zu schweigen.

mitwirkende personen:

• bernhard schöberl / musiker

• luke matthews / reisender

• bernd klug / musiker

• gloria damijan / musikerin

• nina divitschek / photographin

• claudia bliesener / projektmanagerin, übersetzerin

• eloui / musikerin

• peter scharmüller / medienkünstler

• manon bancsich / musikerin

• sarah foetschl / philosophin

• katrin hauk / musikerin

• heike kaltenbrunner / medienkünstlerin

conny zenk // <small><small>▀▀ ▀▓▓▀</small><small>╘════</small></small> // gaffabandl.wordpress.<wbr></wbr>com


örrrööößßßTSch???----!!!!+++"!

<wbr></wbr>ßlöössscht--(-o--(-oo---)---<wbr></wbr>Ss::;rrrrsssschhhhhzzzk!!"

Karl Salzmann // Transport³ // www.karlsalzmann.at

Die Straßenbahn selbst und Aufnahmen diverser Transportmittel bilden das klangliche Ausgangsmaterial der Komposition. Während der Fahrt wird mit vorhandenem improvisiert und die formale Struktur weiter entwickelt. Wie auch die Straßenbahn selbst, begibt sich in Transport³ der Klang auf die Reise. Vom anfangs semantisch auf den Kontext verweisenden, hin zur reinen Klanglichkeit. Eine Umkehrung der Geschichte - von Soundscape zurück zur Musique concrète. Der Transport des Transport`s erfolgt mittels mehrer Lautsprecher, die an den hängenden Haltegriffen der Straßenbahn montiert sind.

jan perschy // hot bin // janperschy.com

Untersuchung des Ansprechverhaltens von Küchenkasten
voll mit Geschirr. Impulsweise wird eine Schwingung
auf den Küchenkasten übertragen, diese Schwingung pflanzt
sich durch das Geschirr fort. Zwischen den Impulsen wird
die Nachschwingung des Geschirrs durch ein Mikrofon
aufgenommen und verarbeitet. Ist aus dem Ergebnis, die
Anzahl der Teller und/oder Tassen interpretierbar?

Ein Experiment von Jan Perschy in Kooperation
mit dem Küchenradio.

conny zenk + mths // aufblasbar // gaffabandl.wordpress.com // mtks.tumblr.com //

Es werden Dreiecke gefüllt mit Luft in die Straßenbahn gestellt. Ihre Größe misst über 2 Meter, so funktionieren sie als Maßstab, Raumteilung und Hindernis.